Votiv Kino De France

1912 erbaut, ist das Votiv Kino eines der ältesten noch bestehenden Wiener Kinos. Oftmals umgebaut und von vielfach wechselnden Besitzern auf sehr unterschiedliche Art geführt, steht die turbulente Geschichte dieses Kinos stellvertretend für mehr als 100 Jahre Alltagskultur.

1986 haben wir das Kino übernommen und den „Park“ aus dem Namen gestrichen. 1987 folgte der Einbau des Studios und 1999 dann des Votiv3 als dritter Saal. Bei einer Modernisierung in mehreren kleinen Schritten haben wir den historisch gewachsenen Charakter des Kinos so weit wie möglich erhalten und es zugleich den heutigen Ansprüchen an Komfort und Projektionsqualität angepasst.

In unmittelbarer Universitätsnähe gelegen, ist das Votiv Kino aus dem Wiener Freizeitangebot nicht mehr wegzudenken. Und es ist – zu unserem Stolz – seit vielen Jahren das besucherstärkste Programmkino Österreichs.

Das De France ist eines jener typischen Center-Kinos, wie sie in den 1980er-Jahren gebaut wurden. Im Zeitalter riesenhafter Multiplex-Kubaturen hat die Intimität und Geborgenheit, die von kleinen aber räumlich gut genutzten Lokalitäten ausgeht, eine besondere Qualität bekommen. Durch seine familiäre Atmosphäre – verbunden mit der unmittelbaren Nähe zum Votiv Kino – ist das DeFrance für uns zu einer idealen zweiten Spielstätte geworden.

Nur ein Jahr nach dem „Votivparkkino“ wurde 1913 in einem neu erbauten Prunkbau am Ring das „Schottenring-Kino“ eröffnet. Damals war es eines der wenigen Kinos, die nicht in das Kellergeschoß hineingebaut wurden, sondern ebenerdig zur Straße hin lagen.

Nach 1945 in die KIBA (die damalige Kinoholding der Stadt Wien) eingegliedert, war es eines jener Wiener Kinos, in denen eher anspruchsvolle Filme – in späteren Jahren teilweise auch in englischer OV – gespielt wurden. In den 1980er-Jahren wurde das Palais zum Hotel umgebaut, der Kinosaal wurde abgerissen und in die Hotel-Lobby integriert. Stattdessen wurden im Keller zwei kleine Kinosäle im typischen Stil jener Jahre errichtet. Nach dem gleichnamigen Hotel nunmehr in Kino De France umbenannt, wurden ausschließlich englische Originalfassungen der amerikanischen Blockbuster gezeigt. Nach einem kurzfristigen Versuch, unter dem Namen „Studio Schottentor“ ein anspruchsvolles deutschsprachiges Programm zu zeigen, stand das Kino zur Jahrtausendwende endgültig vor der Schließung. 2001 wurde es dann von uns übernommen. Mit diesen zwei zusätzlichen Kinosälen konnten wir unsere programmtechnischen Möglichkeiten deutlich erweitern. Seither ist das DeFrance für uns – und auch für unser Publikum – unverzichtbar geworden.

Yannik Steer