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Gemeindebau Drorygasse

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Locationnummer: 1030043

Municipal Housing
Courtyard
Housing Complex
1920s
Indoors & Outdoors

Der Wohnbau entstand auf dem ehemaligen Gelände der „Wällischen Gärten“, die bis ins 19. Jahrhundert eine wichtige Versorgungsfunktion für die Wiener Bevölkerung hatten. Die Gründe gehörten der aus Verona stammenden Oria della Scala, die die Gartenanlagen 1445 dem Augustinerorden schenkte. Zum Gedenken an die aus dem „Welschland“ stammende Stifterin blieb die Bezeichnung „Wällische Gärten“ bis zur Verbauung ab der Mitte des 19. Jahrhunderts erhalten. Die Wohnhausanlage erstreckt sich von der Göllnergasse über die Drorygasse bis zur Dietrichgasse und wird durch einen zurückversetzten, von drei Spitzgiebeln bekrönten Mittelblock mit betonter Einfahrt geprägt. Vorgelagerte Wandvorlagen, Erkerachsen, turmartig überhöhte Bauteile sowie Dreiecksgiebel und spitze Fensterbekrönungen gliedern die Fassade in gestufte, wirkungsvoll akzentuierte Abschnitte. Durch eine tonnengewölbte Einfahrt gelangt man in den schlichten Innenhof mit Arkaden im Erdgeschoß, während turmartig vorspringende Stiegenhäuser, teils mit Aufzugsanbauten, das Erscheinungsbild ergänzen. Die reich mit Relieffeldern und Fenstergiebeln geschmückten Fassaden verleihen dem monumental gesteigerten Bau eine weiche, romantisierende Wirkung. Ein markantes Detail ist der Eckpfeiler mit Kapitell an der Ecke zur Dietrichgasse, der ebenso wie Arkadengang und Tonnengewölbe an Kirchenarchitektur erinnert. Die zweifarbige Gestaltung und die scharfen Dreiecksgiebel sowie spitzen Erkerachsen unterstreichen den vielschichtigen, bewegten Fassadenaufbau im Stil des Expressionismus der 1920er-Jahre. Mehrere bedeutende Persönlichkeiten wohnten zeitweise an dieser Adresse: Die Widerstandskämpfer Roman Felleis (1903–1944) und Franz Schuster (1904–1943) wurden wegen ihrer politischen Haltung verfolgt und kamen im KZ Buchenwald ums Leben; nach ihnen sind städtische Wohnhausanlagen in der Hagenmüllergasse benannt. Auch die spätere Wiener Stadträtin Maria Jacobi (1910–1976) lebte hier, ebenso der Maler Otto Rudolf Schatz (1900–1961), der 1938 Berufsverbot erhielt, nach Prag emigrierte und nach 1945 nach Österreich zurückkehrte.

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