
Gemeindebau Karl-Marx-Hof
Locationnummer: 1190016
Der Karl-Marx-Hof wurde von 1927 bis 1930 auf dem Gelände der ehemaligen Hagenwiese errichtet, das wegen seiner Bodenbeschaffenheit aufwendig vorbereitet werden musste. Die von Bürgermeister Karl Seitz eröffnete Anlage hatte für die Wiener Sozialdemokratie hohen Symbolwert und sollte als monumental wirkender Bau das neue Selbstbewusstsein der Arbeiterschaft demonstrieren. Im Februar 1934 wurde der Gemeindebau während des Bürgerkriegs zum Schauplatz heftiger Kämpfe zwischen Schutzbund und staatlichen Truppen, bei denen es Tote und Hinrichtungen gab. 1938/39 vertrieb das NS-Regime 66 Familien, und im Zweiten Weltkrieg wurde der Karl-Marx-Hof aufgrund seiner Nähe zum Heiligenstädter Bahnhof schwer bombardiert. Der Karl-Marx-Hof beeindruckt mit massiven Mauern, großen Rundbogendurchfahrten, mächtigen Toren und schlichten Fassaden mit durchlaufenden Balkonen. Auf 156.000 m² erstrecken sich großzügige Innenhöfe mit Grünflächen, die als Orte der Begegnung gedacht sind. Die Anlage bietet zahlreiche Gemeinschaftseinrichtungen wie Klinik, Apotheke, Bücherei, Geschäfte und Zentralwäschereien. In der Mitte öffnet sich der „Ehrenhof“ zur Heiligenstädter Straße, flankiert vom höchsten, turmbekrönten Bauteil, während die Seiten in niedrigere Trakte übergehen. Eine überlebensgroße Bronzefigur von Otto Hofner zeigt einen „Sämann“ im gärtnerisch ausgestalteten Ehrenhof. Vier schmale Figuren von Josef Riedl am Mitteltrakt symbolisieren Freiheit, Fürsorge, Aufklärung und Körperkultur und betonen die Grundlagen für gesundes, gemeinschaftliches Wohnen im Sinne der Sozialdemokratie. Die Wohnhausanlage ist nach Karl Marx (1818–1883) benannt, einflussreicher Theoretiker des Kommunismus. Nach den Februarkämpfen 1934 hieß sie kurzzeitig „Biedermann-Hof“ nach Karl Biedermann (1890–1945), Kommandant der Heimwehr und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. 1935 wurde sie in „Heiligenstädterhof“ umbenannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt sie wieder ihren ursprünglichen Namen.



